Kaufhaus Tyrol, Innsbruck

Projektdaten

• Ort: Innsbruck, Tirol
• Bauherr: Maria-Theresien-Straße Grundverwertung GmbH
• Nutzung: Retail, Büro
• Leistung: Generalplanung in Zusammenarbeit mit David Chipperfield Architects
• Planungszeitraum: 2008–2009
• Ausführung: 2008–2010
• Flächen: ca. 58.000 m² BGF | ca. 51.000 m² NGF
• Besonderheiten: Innerstädtische Lage, SOG-Zone, hoher öffentlicher Fokus, komplexes Mietermodell
• Projektleitung (DMA): Arch. Axel Birnbaum

Beschreibung

Ausgangslage und Problemstellung

Der Neubau des Kaufhaus Tyrol war eines der meistdiskutierten Bauvorhaben Innsbrucks. Divergierende Vorstellungen von Denkmalschutz und Architektenschaft, Bevölkerung und Politik ließen Vorprojekte scheitern. Entsprechend groß war die öffentliche Aufmerksamkeit und Erwartungshaltung: Das neue Gebäude in der Maria-Theresien-Straße musste deren Identität bewahren und  die ungewöhnlich lange Fassadenabwicklung bewältigen, die nach dem Abriss der Vorgängerbauten entstanden war.
Die Lage in einer städtebaulichen Schutzzone erforderte besondere Sorgfalt im Umgang mit Stadtbild, Maßstab und historischer Substanz;  etwa die Integration des teilweise erhaltenen „Schindlerhaus“.
Hinzu kam die beengte innerstädtische Situation, ein bereits ausgehobener Baugrubenstand zu Planungsbeginn und ein eng getakteter Terminplan. Als Generalplaner musste das Team eine Vielzahl an Fachplanern und Mietern koordinieren. Jede Shopfläche hatte eigene Anforderungen; zugleich waren für Mall und Fassade einheitliche architektonische Vorgaben sicherzustellen.

Ansatz

Der architektonische Ansatz setzt auf Zurückhaltung, Klarheit und Präzision im Detail. Das Gebäude fügt sich harmonisch in das Straßenbild der Maria-Theresien-Straße ein und setzt doch einen eigenständigen Akzent. Durch eine dreigeteilte, leicht abknickende Fassadenflucht wurde die Länge des Baukörpers optisch gebrochen. Im Inneren ist die Mall ist um ein zentrales Atrium organisiert und mit Brücken, Galerien und Rolltreppen als urbaner Innenraum inszeniert.
Als Generalplaner koordinierte das Team alle Planungsleistungen sowie die Vielzahl der Ausbauarchitekturen der Mieter. Klare Guidelines für die Allgemeinflächen und viel Koordinationsarbeit sorgten dafür, dass trotz unterschiedlichster Shopkonzepte ein schlüssiges Gesamtbild entstand.

Der zentrale Gedanke: Architektonische Einheit im öffentlichen Raum – Vielfalt und Individualität in den Shopflächen.

Wirkung

Das Kaufhaus Tyrol ist heute ein prägender Baustein der Innsbrucker Innenstadt. Die klare architektonische Haltung verleiht dem Gebäude zeitlose Qualität, bestätigt durch die robuste Nutzung und mehrere Umbauzyklen der vergangenen 15 Jahre, die sich problemlos integrieren ließen. Über das architektonische Element hinaus leistet das Kaufhaus Tyrol einen wesentlichen Beitrag zur Attraktivierung der Innenstadt: Durch das verbesserte Kundenerlebenis kaufen viele Menschen wieder im Zentrum statt am Stadtrand.
Für den Bauherrn gilt das Kaufhaus als Vorzeigeprojekt, Nutzer schätzen Lage, räumliche Qualität und das zurückhaltende, zeitlose Architekturkonzept. Das Projekt zeigt, wie präzise Koordination und klare architektonische Leitlinien in komplexen Innenstadtlagen funktionieren.

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